| HIPPOMANIA | ||||
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Das Reiten und die Liebe zu Pferden hat so nach und nach die ganze Familie infiziert. Angefangen hat alles mit einem Gutschein der Reitanlage Rapp für eine Freireitstunde. Diesen Gutschein hat unsere Tochter bei der Dorfolympiade DATUM gewonnen. Im Anschluss an die Schnupperstunde wurde dann in Ortenberg auf dem Hofgut Breitenhaide bei Silke Jäger-Nagelschmitt die eine oder andere Reitstunde absolviert. Janine hat dann den Balettunterricht an den Nagel gehängt und statt dessen wöchentlich eine Reitstunde absolviert. Im Herbst 98 begann dann Ortrun mit der Reiterei. Danach Sven.
Zu Weihnachten 99 bekam ich dann einen Gutschein für die Longe. Nur mal zum probieren. Ich hätte ihn auch umtauschen können. Aber mir gefiel es ganz gut. - Als Kind durfte ich manchmal nach der Kirche den Pferden nebenann Zucker geben. Pferde fand ich schon damals faszinierend.- Leider hat diese Periode nur etwa ein halbes Jahr angehlten. In dieser Zeit bin ich gerade mal bis zum Angaloppieren gekommen. Geritten bin ich die Waldfee, Trixie, Fajal und Dreamy. Dreimal kam es zu kritischen Situationen. In Keiner konnte man mir anschließend sagen warum.
Die "Unfälle" waren nicht der Grund für das klägliche Ende meiner Reitversuche. Es war die Tatsache, daß nie einer wusste wie es dazu kam. Von meinen Reitsachen habe ich mich allerdings noch nicht trennen können.
Hier schildern wir unsere Erfahrungen mit dem Sommerexzem.
Anfangs gab es keine Verladeprobleme. Dreamy ging anstandslos auf den Anhänger. Die ersten Transporte wurden vom Verein organisiert. Wir waren froh jemanden zu haben, der unser Pferd zum Turnier kutschte. Dann haben wir uns einen Anhänger gekauft und der Toyota Carina mit einer Anhängerkupplung bestückt. Jetzt konnten wir endlich selber auf Turniere fahren ohne betteln zu müssen. Endlich!
Wenn doch nur das Pferd auf den Anhänger ginge. Es wurde zusehends problematischer.
Wir bekamen Tipps von allen Leuten. Von Pferdebesitzern und deren Kindern. Von Müttern, die Ihre Kids zum Reiten brachten. Von "alten Hasen", die es eigentlich hätten wissen müssen. Es half nichts. Ob nun Longen zur Eingrenzung der Fluchtwege oder Möhren und Leckerlies, nichts half auf Dauer. Der Einsatz von Straßenbesen, Gerten, Schreien und Flüchen haben die Verladeprozedur schließlich auf eine Stunde anwachsen lassen.
Den Carina haben wir bald verkauft und uns einen Mitsubishi Pajero zugelegt. Mit dem Carina waren wir wiederholt an die Leistungsgrenzen gestoßen. Das eine Mal kamen wir nicht mehr von der Parkplatzwiese weg ohne das Pferd ausladen zu müssen. Das andere Mal bescherte uns feuchtes Laub auf der Straße die einmalige Gelegenheit das Pferd aus dem Anhänger zu holen und am Führstrick die Steigung zu erklimmen.
Mit dem Jeep war das alles Vergangenheit. Die Fahrten verliefen ruhig. Ohne das jaulen eines zu kleinen Motors. Ohne stinkende Kupplung und ohne Gummigeruch von durchdrehenden Vorderrädern beim Anfahren. Das Problem mit dem Verladen blieb.
Dreamy stand vor der Rampe und alles gute Zureden belohnte Sie mit genüßlich wackelnder Unterlippe. Dann haben wir uns ein Buch gekauft. Dort haben wir alles lesen können, was wir selbst erfahren hatten. Schließlich haben wir einen Rat befolgt und uns Zeit genommen! Wir haben den Anhänger an den Jeep gehängt. Jede Menge Möhren, Brot und Leckerlies dienten als Bewaffnung. Das Pferd wurde aus der Box geholt und vor die Rampe gestellt. Geduld. Komm. Komm Dreamy. Sei Brav. Nichts. Schieben? Keine Chance. Ziehen? Geht auch nicht. Geduld. Tief durchatmen. Zigarettenpause. Neuer Versuch. Dreamy steht immernoch vor der Rampe. Dreamy gib Huf. Brav. Gutes Mädchen. Den Huf auf die Rampe gestellt. Dreamy zögert. Guckt. Brave Dreamy und Schulterklopfen folgen. Der nächste Huf das gleiche Spiel. Toll. Zwei Hufe auf der Rampe. Leckerlies verabreichen. Nochmal das Ganze. Zwei Hufe stehen etwas weiter auf der Rampe aber nun geht es nicht mehr weiter. Das Pferd oder der Bauch ist zu kurz. Sie nimmt die Hinterbeine nicht mit und macht sich lang. Auf Dauer scheint das allerdings unbequem oder langweilig zu werden. Mit einem Satz ist Dreamy von der Rampe runter. Wir springen rechtzeitig zur Seite und ... Geduld!
Nochmal Vorderhufe abwechelnd auf die Rampe. Klappt. Hinterhufe abwechselnd "hinterhertragen". Jetzt wieder Vorne. Dann wieder Hinten. Nun sind die Vorderhufe fast am Rampenscharnier und die Hinterhufe knapp vor der Rampe. Hecktisch läuft Dreamy in den Anhänger. Janine hat Mühe rechtzeitig unter der vorderen Stange abzutauchen. Geschafft. Zur Belohnung findet Dreamy Hafer im Futtertrog des Hängers. Möhren werden von allen Beteiligten gereicht. Dann gibt es noch Brot und Brötchen von jedem. Weil es so heiß ist hole ich einen Eimer Wasser. Drei Lobesgesänge muß sich Dreamy gleichzeitig anhören. Nach einer Weile laden wir das Pferd langsam wieder aus.
Dieses Prozedere haben wir an diesem Tag mehrfach wiederholt. Lediglich die Belohnungen wurden rationiert. Für stehen auf der Rampe gab es halt nichts mehr. Mit jedem Verladen wurde es besser. Am abend dauerte es weniger als eine Minute.
Nach ein paar Tagen haben wir das Ganze erneut exerziert. Kein Problem. Bis heute nicht. Dreamy hat hoffentlich begriffen, dass nichts böses von Ihr verlangt wird. Sie hatte die Gelegenheit sich alles genau anzusehen. Die Rampe, die Abtrennung und die Seitenpolster. Mit dem Besen wird heute nur noch der Anhänger gefegt.
Longe: Der Karabinerhaken wird beim Verladen mit einem Ruck zerbrochen.
Trense: Die Trense hängt lässig über dem Arm, die Zügel sind noch über dem Kopf des Pferdes. Der Sattel befindet sich auch noch über der Arm. Dreamy stürmt in die Box um endlich zu fressen und zerreist beide Kopfriemen.
Martingall: Die Halsmuskeln sind halt kräftiger als so'n bisschen Leder.
Halfter: Dreamy ist in der Stallgasse zum Putzen angebunden. Mit der linken Hinterhand will sie sich hinter dem Ohr kratzen, verfängt sich im Führstrick, erschrickt, bekommt Panik, verliert das Gleichgewicht und fällt hin. Der Metallring des Halfters zerreist. Die linke Hinterhand hat Scheuerstellen durch den Strick und schwillt leicht an. Ein Verband, Kühlung und ein Tag Ruhe lassen die Schwellung wieder verschwinden.